11.5. 2009 Zeitzeuge Deutsche Gemeinde Oslo

Zusammenarbeit ASF – Deutsche Gemeinde

Als hundertjährige „Evangelische Gemeinde deutscher Sprache in Norwegen“ schauen wir auch auf eine fünfzigjährige Zusammenarbeit mit Aktion Sühnezeichen/ Friedensdienste zurück. as ist kein Zufall und keine „Notgemeinschaft“. Als Gemeinde und auch als Pfarrer, der seit 3 ahren in der Gemeinde arbeitet, sind uns die Themen und Anliegen von ASF immer wieder Anregung und Bereicherung gewesen. Das Thema „Norweger und Deutsche“ und „Versöhnung“ hat immer eine Rolle gespielt in unserem deutschsprachigen Gemeindeleben hier in Norwegen und das Thema „Frieden“ liegt uns als christliche Gemeinde am Herzen.

Mit Aktion Sühnezeichen/ Friedensdienste verbindet uns also eine ganze Menge. Wir sind sozusagen Reisegefährten.

Zum 50. Jubiläum von ASF hatten wir im Gemeindehaus das „Basislager“ für die Freiwilligen aus ganz Norwegen. In der Teestube für junge Erwachsene ab 18 Jahren scharten wir uns um 2 Freiwillige, die von ihrer Arbeit berichteten, in der Jubiläumswoche waren eine handvoll Freiwilliger spontan bereit, in unserem Lunchtreffen, dem „Vormittagstreff“ von sich zu erzählen - engagierte Jugendliche, die beredt Auskunft geben können über ihren Einsatz und ihre Erfahrungen und einem Respekt für ihren freiwilligen Einsatz in verschiedenen Institutionen abverlangen.

Es war für uns eine Freude, unseren Gemeindegottesdienst am 10. Mai in die Trefoldighetskirche zu verlegen und so als Gemeinde beim Festgottesdienst von Aktion Sühnezeichen mit dabei zu sein. Spannend war auch der gemeinsam veranstaltete Abend in der Gemeinde am 11. Mai, ein Abend mit dem Zeitzeugen Albrecht Eika. Wir sind dankbar für die Impulse, Themen und Gespräche, die wir durch den Kontakt mit Aktion Sühnezeichen/ Friedensdienste in unserem Gemeindeleben haben und freuen uns auf weitere Begegnungen, Seminare und Gottesdienste.

Danke für die Zusammenarbeit und die Freundschaft und weiterhin „Herzlich willkommen“ in unserer Gemeinde.

Pfarrer Friedbert Baur

 Es sind Geschichten, Sie einen diese Welt...

Anlässlich des 50 jährigen Jubiläums von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste war Albrecht Eika am 11. Mai 2009 als Zeitzeuge in der deutschen Gemeinde in slo zu Gast. Dort erwartete ihn ein sehr interessiertes Publikum von 30-40 überwiegend jüngeren und wohl fast ausschliesslich deutschen Zuhörern. Ich hatte den Eindruck, dass die Zuhörer Eika schon allein wegen seines hohen Alters, aber erst recht wegen seiner Erfahrungen als Häftling in einem deutschen Konzentrationslager voller Spannung und Respekt zuhörten.

Als Sohn einer deutschstämmigen Mutter und eines norwegischen Vaters wurde Eika 1922 in Potsdam geboren. Er ist in Norwegen aufgewachsen und hat 1940 in Trondheim sein Abitur gemacht. Im gleichen Jahr begann er sein Hoch- und Tiefbaustudium an der dortigen Universität. Im Frühjahr 1943 wurde er aufgrund seiner Tätigkeit als illegaler Schweden-Kurier verhaftet. Er war zunächst im norwegischen Gefangenenlager Falstad inhaftiert. Im Dezember 1943 wurde er ins Konzentrationslager Sachsenhausen überführt. Von dort stammen auch die Erzählungen des Norwegers Odd Magnussen, die Eika im Buch "Vi ventet" ins deutsche übersetzt hat.

Gleich zu Anfang räumte Eika ein, dass er eigentlich kein Konzept für einen Vortrag hätte, sondern gerne mit uns in ein Gespräch kommen würde. Er war gekommen, um seine "menschlichen Erfahrungen" aus der damaligen Zeit mit uns zu teilen. Er berichtete über seine damaligen Begegnungen mit Menschen, "einige sehr gute, aber auch einige sehr üble". Eika antwortete auch bereitwillig auf die zahlreichen Fragen des Publikums. Dabei wurde rasch deutlich, dass er keine einfachen Antworten parat hatte. Auch seine Antworten waren geprägt von einer demütigen Haltung, die kaum Platz für Verurteilungen und Schuldzuweisungen zuliess. Ich hatte den Eindruck, dass einige der jüngeren Zuhörer fast eine stärkere Verurteilung des begangenen Unrechts in den Konzentrationslagern vermissten.

Persönlich habe ich diesen Abend als sehr bereichernd empfunden. Es war faszinierend zu erleben, wie ?beschreibend? Eika seine erlebte(n) Geschiche(n) vermittelte. In seinem Lied "Stück vom Himmel" singt Herbert Grönemeyer, "Es sind Geschichten, Sie einen diese Welt...". Ich reiste an diesem Abend mit dem Gefühl nach Hause, erlebte Geschichten und ein Stück damaliger Wirklichkeit kennen gelernt zu haben. Geschichten, die ich meinen Kindern weitererzählen möchte. Ich wünsche uns und Herrn Eika noch viele solcher Abende!
Carsten Wiecek, Lillestrøm